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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2003,
Nr. 72, S. 54
Landschaft im Hochaltar
Gemälde von Leta Peer in der Galerie "Voges + Partner"
Es war durchaus komisch, als Leta Peer vor ein
paar Jahren damit anfing, Berglandschaften in Öl auf Holz festzuhalten.
Und es war mehr als eine Reminiszenz an die Tradition. Etwa im Format
einer Postkarte und mit Goldrand versehen, stellten diese nach Fotografien
oder aus der Erinnerung an die Landschaft ihrer Kindheit entstandenen
Miniaturen mehr dar als eine Beschreibung der Wirklichkeit. Durchaus
auf die Tradition sich beziehend, waren sie etwas anderes als romantische
Naturbetrachtung,
regten an zu Reflexionen über Distanz und Nähe, Naturbetrachtung
und -erfahrung und nicht zuletzt über Kunst und Kitsch. So leicht
aber macht es die Künstlerin dem Betrachter jetzt nicht mehr.
Auf ihren großformatigen Arbeiten, die derzeit
in der Frankfurter Galerie Voges + Partner (Hanauer Landstraße
190) zu sehen sind, verzichtet die 1964 in der Schweiz geborene Künstlerin
weitgehend auf eine Thematisierung der Brechungen. Bergpanoramen, schneebedeckte
Gipfel stehen da in wechselndem Licht in realistischer Malweise in Öl
auf Leinwand vor einem weiten Himmel, Wolken tummeln sich, tosen oder
wirbeln um den Berg, und bisweilen umflort diese Szenerie ein Licht,
fängt
sich alles in einem leicht diffusen Zentrum, daß das Wort Erhabenheit
durchaus angemessen erscheint. Peer steigert diese Weite und Distanz
noch, indem sie das Bild schließlich mit Firnis überzieht.
In den glatten Oberflächen mag man durchaus
einen Hinweis sehen darauf, inwieweit das, was einmal authentisches
Erlebnis und unmittelbare
Anschauung hieß, inzwischen abgelöst ist durch eine Erfahrung
aus zweiter Hand. Natur scheint unerreichbarer denn je. Dennoch steht
man bei allem technischen Können und malerischer Souveränität
der einen oder anderen Arbeit ob ihrer Nähe zur romantischen
Tradition etwas ratlos gegenüber. Überzeugend sind vor
allem jene Bilder, in denen die gewählten Ausschnitte unglücklich
genannt werden müßten, handelte es sich schlicht um den
Versuch, alpine Landschaften ins Bild zu setzen; wenn sie sich nicht
recht mit der Weite, dem Panorama
vertragen wollen, wenn Himmel, Wolken und verschneite Abgründe
beinahe ineinander verfließen oder ein Gipfel nur geradeso
ins Bild ragt, daß es
fast abstrakt wird.
Je eindeutiger ein Bild, desto zwiespältiger die Gefühle des
Betrachters. Daß Leta Peer diesem heiligen Ernst durchaus humorvoll
zu begegnen weiß, zeigen ihre Fotografien. Hier hat sie ihre Gemälde
in die Aufnahmen von Hochaltären montiert, wo sie die religiösen
Bildnisse ersetzen. Von Kerzen illuminiert, von einem Kruzifix gekrönt
und in
goldenem Rahmen, erscheint eine weitere Überhöhung kaum möglich,
werden die Landschaften zu Bildern des nicht Darstellbaren, wie die Manipulation
als selbstbewußter künstlerischer Akt gelesen werden kann.
Christoph Schütte
Bis 29. März Dienstag bis Freitag von 11 bis
18 Uhr, Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
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