schließen    
 

Gisela Kuoni, Kunst-Bulletin No 11, 2007

Gemalte Fotografien und fotografierte Gemälde - unter diesen Sammelbegriff könnte man die Arbeiten von Leta Peer in der Galerie Fabian & Claude Walter in Zürich einordnen. Doch dahinter verbirgt sich weit mehr.

Zürich: Leta Peer in der Galerie Fabian & Claude Walter

Leta Peer stammt aus dem Unterengadin, einer Landschaft, die sensible Naturen prägt oder mindestens beeinflusst. Heute lebt und arbeitet sie in Basel, ihre Inspiration ist jedoch nach wie vor die urtümliche Landschaft dieses Hochgebirgstales. Ihr Vorgehen ist ungewöhnlich. Die Künstlerin sucht die Motive für ihre Fotografien nicht, lässt sie auftauchen, scheinbar absichtslos. Sie wartet auf besondere Lichtverhältnisse am Morgen oder in der Dämmerung, sie liebt die für das Engadin untypischen Nebelstimmungen, verhangenen Himmel, von Regen und vorzeitigem Schnee zerzauste Landschaften - Orte, die sie immer wieder aufsucht. Gemalt wird im Atelier, wobei die Fotos die Modelle für die Ölbilder sind. Diese zeichnen sich aus durch minuziöse Malweise, durch Präzision und höchste Sorgfalt, durch eine feine Poesie. Das gilt für die kleinsten, farbintensiven Miniaturen ebenso wie für die grossformatigen, schemenhaften Bergstimmungen, denen sie mit kalligraphischen Zeichen Struktur verleiht. Naturalistische, regennasse, verwaschene Wiesenausschnitte fokussieren den Blick des Betrachters auf Naheliegendes. Die Fotografien, die «Modelle», sieht man nicht.

Der Reihe «Along with Simon» liegt eine sehr persönliche Geschichte zugrunde. Es geht um den Tod des Bruders, dem die Künstlerin in ihren Gemälden eine Erinnerung und auch einen Abschied widmet. Mehr muss man dazu nicht wissen. Der Bruder hatte seinen Weg auf der Via Engiadina, seinen letzten, fotografiert - Leta Peer ist diesen Bildern nachgegangen und hat die Fotosequenzen in Ölgemälde umgesetzt, ausschnitthaft, nicht als naturgetreue Abbilder. Wenn man die Geschichte kennt, sieht man plötzlich mehr.

Für «Mirrors» schliesslich hat Leta Peer die nach den Fotos des Bruders entstandenen Ölgemälde, umrahmt von goldenen Spiegelrahmen, digital in die im Abbruch begriffene Backstube einer Bäckerei in ihrer Nachbarschaft platziert. Wir sehen eine irritierende Situation: eine erinnerungsbeladene, malerische Landschaft, geadelt durch die kostbaren Rahmen und wieder verfremdet durch die desolate Umgebung. Der Raum wird zu einem zusätzlichen Bilderrahmen.

Leta Peer hat das Aufeinanderprallen von Schönheit und Zerfall, von greifbarer Erinnerung an eine warme, lebensspendende Backstube und der Brutalität des Abbruchs, die Durchdringung von Realität und Flüchtigkeit gekonnt eingefangen und subtil dargestellt.

Bis 21. Dezember 2007

 
    schließen