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Claiming the highest rank
Auf Einladung der Galeristin Isabella
Brancolini verbracht die aus dem Engadin gebürtige, heute
in Basel und New York lebende Künstlerin Leta Peer Anfang 2002 mehrere
Monate in der Toskana. Die Ergebnisse dieses Aufenthaltes sind vom 30.
Oktober 2002 bis zum 22. Dezember 2002
jetzt erstmals in der Galleria Isabella Brancolini
arte contemporena in Florenz zu sehen: Hier zeigt die Künstlerin
einerseits Gemälde in Öl auf Nessel, Holz und Kupfer und anderseits
digital bearbeite Fotografien.
Seit mehreren Jahren schon beschäftigt sich Leta Peer mit
Rezeption und Darstellung von Landschaft. Dieses Interesse rührt einerseits
von dem Faktum her, das schon die realistischen und impressionistischen Maler
des 19. Jahrhunderts zur Landschaftsmalerei brachte: Zwar war sie in der
traditionellen Gattungshierarchie weit unten angesiedelt, weil sie scheinbar nur
das Gegebene abbildete, anstatt wie die Historienmalerei moralische Beispiele
zu liefern. Doch gerade aufgrund dieses vermeintlichen Mankos konnte und kann
sich in Landschaftsgemälden Malerei als Malerei
entfalten. Dies trifft auch auf die Werke von Leta Peer zu: Wegen der teilweise
sehr kleinen Formate ist jeder Pinselstrichs gleichzeitig Darstellung von Stein,
Wolke, Schnee und reines Farbmaterial.
Doch Leta Peer geht in ihrem Schaffen über diesen
formalistischen Aspekt hinaus: Stets interessiert sie sich auch für
den Kontext sowohl von Landschaft als auch von Kunst. Wie schon in der
Berge-Serie gilt auch in den während des Toskana-Aufenthalts entstandenen
Gemälden und Fotos ihre Recherche einer Landschaft, deren Wahrnehmung
immer schon verstellt ist durch kulturelle Prägungen und Erwartungen.
Indem sie ihre Gemälde der schweizer und der toskanischen
Landschaft digital ins Zentrum spätmittelalterlicher Hochaltäre
schmuggelt, nimmt die belanglos erscheinende Landschaft die Stelle des
Hochverehrten ein, beansprucht höchsten Rang und befragt damit unsere
eigene Haltung zu Religion und Landschaft gleichermassen.
Heinz Stahlhut, Basel
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